Vater des Regens : Roman

King, Lily, 2016
Gemeindebücherei Heiligenbrunn
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Medienart Buch
ISBN 978-3-406-69805-7
Verfasser King, Lily Wikipedia
Beteiligte Personen Roth, Sabine Wikipedia
Systematik DR - Romane, Erzählungen, Novellen, Krimi, Thriller
Schlagworte Tochter-Vater, Familienbindungen
Verlag C.H. Beck
Ort München
Jahr 2016
Umfang 399 S.
Altersbeschränkung keine
Sprache deutsch
Verfasserangabe Lily King. Sabine Roth
Annotation Quelle: bn.bibliotheksnachrichten (http://www.biblio.at/literatur/bn/index.html);
Autor: Simone Klein;
Ein provokanter Roman über familiäre Beziehungsabhängigkeit. (DR)
Die 11-jährige Daley Amory liebt ihren Vater. Vor allem, weil er humorvoll und wie ein Kumpel mit der Tochter umgeht und weil ihr in seiner Gegenwart niemals langweilig wird. Allerdings ist der solcherart charismatische Vater narzisstisch veranlagt, alkoholabhängig und weltanschaulich in den 1950er Jahren steckengeblieben. Diese Schattenseiten sind es, die zur Trennung der Eltern führen. Fortan lebt Daley bei der Mutter, ihren Vater sieht sie an den Wochenenden. Schon bald hat er eine neue Frau, neue Kinder und - die alten Probleme. Trotzdem bleibt Daley dem Vater innerlich verbunden, auch nachdem sie einige Jahre später ihre eigene Familie gegründet hat. Als der Vater infolge seiner Trunksucht schließlich völlig abzustürzen droht, setzt sie sogar alles aufs Spiel, um ihn von der Sucht zu befreien - nicht ganz freiwillig, denn der Vater hat es immer verstanden, die Tochter geschickt zu manipulieren. Nur mühsam wird es Daley gelingen, sich aus der Beziehungsabhängigkeit zu lösen.
Haben schon die beiden Vorgänger der US-amerikanischen Autorin von einer gewissen stilistischen Virtuosität gezeugt, so vermag Lily King in ihrem nunmehr dritten Roman in exzellent gestalteten Dialogen und inneren Monologen ihr gesamtes psychologisches und sprachliches Einfühlungsvermögen unter Beweis zu stellen. Für jeden Büchereibestand empfehlenswert!

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Quelle: Pool Feuilleton;
Vater des Regens
Wenn es nach den Forschungsdisziplinen Psychologie und Literatur geht, sind Vater und Tochter ausschließlich deshalb auf der Welt, damit sie Schwierigkeiten kriegen und dann einen Psychologen oder eine Bibliothek aufsuchen können.
Lily King beginnt ihr Kammerstück der Familienverhältnisse mit einer Idylle, und das bedeutet im Roman fast immer Schrecken. Die Ich-Erzählerin Daley kriegt zum elften Geburtstag ein Hündchen, aber schon als sie damit nach Hause kommt, ist klar, dass das Hündchen nicht ihr gehören wird, so wie der Pool nicht, den sie zum fünften Geburtstag gekriegt hat.
Genaugenommen wird zu Hause alles notdürftig mit Geld zusammengehalten, aber jetzt nützt auch die Kohle nichts mehr, Scheidung ist angesagt und Mutter zieht mit der Tochter in eine Parterrewohnung in der Stadt. Für die heranwachsende Tochter wird der Vater zu einer Freizeitfigur, mit der man sich ungezwungen für die schönen Teile unterhalten kann, die schlechten Teile werden in der Stadtwohnung mit Mutter erledigt.
Im zweiten Teil ist Daley schon erwachsen, sie hat studiert und in Mexiko Götter für und gegen alles ausgegraben. Jetzt bedrückt sie ihr Verhältnis zu ihrem schwarzen Freund, der immer wieder auf Political Correctness pocht, wenn es um seine Hausfarbe geht. Daley soll gerade ein wichtiges Forschungsprojekt antreten, aber dann kommt der Notruf vom Bruder, Vater geht es schlecht. Vielleicht kann sie den kollabierten Vater retten. Mutter ist schon gestorben und Vater ist Alkoholiker und wird bei den Anonymen Alkoholikern restauriert. Während Vater wöchentlich die Therapien über sich ergehen lässt, liest die Erzählerin in der Bücherei, beide wollen so etwas wie eine neue Rolle finden. "Die Sonne ist hinter der Bücherei verschwunden, und der Himmel, fliederweiß jetzt, wartet auf die Nacht. Die meisten Menschen sind daheim und richten das Abendessen her." (223)
Es vergehen Jahre, in denen man sich zum Überleben eingerichtet hat, die Nähe besteht darin, dass man nichts zulässt, was über ein loses Sitz-Zeremoniell hinausgeht. Vater ist vielleicht ein Regengott, er ist für das Düstere zuständig, macht aber seine Sache ganz gut, eingekeilt zwischen Golf, Jagd und Pool. "Ungeklärte Beziehungen machen die Trauerarbeit am schwersten."
Und dann kommt es zum obligaten Schlaganfall, der das Leben noch einmal in verstümmelte Formulierungen zwingt. "Sein ganzes Leben machte mich traurig" (371) sagt die Tochter gereift an der eigenen Melancholie.
"Vater des Regens" erzählt von der trüben Seite des Lebens. Gerade das Unauffällige ist ein Medikament, das gegen die Nebenwirkungen des Lebens hilft.
Helmuth Schönauer

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